Zwischenbericht

Es wurde schon ausführlich in den deutschen Medien berichtet: Der Winter in der Ukraine 2012 ist sehr kalt. Schon knapp 100 Obdachlose sollen bereits erfroren sein, so berichteten es die deutschen Medien.
Zuerst hatte ich vor diesem strengen Winter große Angst, denn im Jahr 2011 erlebte ich hier keinen Monat, in dem es keine Strom- oder Wasserausfälle gab. Doch zum Glück wurden die Leitungen Mitte Dezember noch einmal ausgebessert und so haben sich meine Befürchtungen, hier im Kalten sitzen zu müssen, nicht bewahrheitet.
Da ich längere Stromausfälle aus Deutschland nicht kannte, war es für mich eine ganz neue Erfahrung mal zwei Tage am Stück, keine Heizung, kein Licht und kein warmes Wasser zu haben und auch komplett ohne technische Gräte auskommen zu müssen. Das sind Momente, in denen mir wirklich bewusst wird, dass die Ukraine immer noch ein Entwicklungsland ist.
Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben. Als Beispiel möchte ich hierzu Uzhgorod und Rát, das Dorf in dem ich lebe, vergleichen.
Rát ist ein kleines 1500-Seelen-Dorf. Einkaufsmöglichkeiten gibt es eigentlich nicht. Gegenüber der Schule steht zwar ein Lade,n der sich „ABC“1 nennt, aber man kann dort nur Alkohol, Zigaretten und ein paar Grundlebensmittel kaufen. Wer mehr einkaufen will, muss ins 15 km entfernte Uzhgorod fahren.
Alle Grundstücke sind sehr groß, und haben einen eigenen Gemüsegarten. So leben die Familien zum Großteil von dem, was sie anbauen, und ihrem eigens gezüchteten Vieh. Nur die Dinge, die sie nicht selbst herstellen könne, werden gekauft.
Dadurch herrscht vor allem im Winter, ein Mangel an Vitaminen, da es kein Obst gibt. Zum Ausgleich nehmen die etwas wohlhabenderen Menschen Vitamintabletten.
In Uzhgorod hingegen, kaufen die meisten Menschen im Supermarkt ein. Sie haben zum Großteil Arbeit und können es sich leisten, alles, was sie brauchen, einzukaufen. So haben sie vor allem im Winter eine wesentlich ausgewogenere und abwechslungsreichere Ernährung.
Man sieht deutlich, dass die Disparitäten zwischen Stadt- und Landleben sehr groß sind.
Auch kulturell gibt es zwischen Stadt und Dorf Unterschiede.
In Rát sprechen alle Menschen ungarisch und die Kinder gehen auf eine ungarische Schule.
So kommt es, dass hier im Ort kein ukrainisch gesprochen wird. Es ist sogar so, dass viele Erwachsene gar nicht richtig ukrainisch sprechen können, da die in der Schule nur russisch gelernt haben. Aber auch diejenigen der Erwachsenen, die ukrainisch in der Schule gelernt haben, sprechen es zumeist so selten, dass sie nur schwer auf ukrainisch kommunizieren können.
So sind diese Menschen in dem Leben gefangen, dass sie jetzt führen, denn sie können weder umziehen noch einen guten Arbeitsplatz bekommen.
Hingegen ist in Uzhgorod das Ungarisch fast ausgestorben. Wenn man im Laden Verkäufer auf ungarisch anspricht, verstehen sie einen zwar manchmal, aber man merkt doch, dass sie ungarisch schon etwas länger nicht gesprochen haben. Es gibt kaum noch ukrainische Schulen, sodass die Kinder ihre Muttersprache gar nicht mehr richtig lernen.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Ungarisch in Transkarpartien irgendwann aussterben wird, wenn nicht wieder mehr ungarische Schulen eröffnet werden.
Durch die Orangene Revolution wurden in den Städten fast alle ungarischen Schulen geschlossen und zu Ukrainischen umgewandelt. Auch in den Dörfern wurden einige Schulen geschlossen, es sind jedoch mehr Schulen erhalten geblieben, als in den Städten.
Aber vielleicht ist diese Entwicklung für die Kinder sogar ganz gut, denn so lernen sie von der ersten Klasse an ukrainisch und haben dadurch vermutlich bessere Chancen, später einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu bekommen.
Was ich hier als sehr positiv empfinde, ist die Toleranz gegenüber anderen Konfessionen und auch das Zusammenleben mit Menschen, die einer anderen Konfession angehören.
In Rát gibt es drei Kirchen, eine evangelisch-reformierte, eine römisch-katholische und eine russisch-orthodoxe, aber trotzdem gibt es nur einen gemeinsamen Friedhof.
Zudem kommen zu hohen Feierlichkeiten der Gemeinden, wie Namenstage der Schutzpatronen etc., auch sehr viele Menschen aus dem Dorf, die den anderen beiden Gemeinden im Ort angehören. Es kann natürlich gut sein, dass die Menschen meist deshalb zu den Feierlichkeiten kommen, weil es in der Umgebung ansonsten kaum gesellschaftliche Ereignisse gibt. Aber ich finde diese Einstellung der Menschen trotzdem sehr positiv, denn in der Ukraine ist Ausgrenzung ein großes Problem.
Während meiner wöchentlichen Busfahrten nach Beregszász fällt mir immer wieder auf, wie herablassend ich als Ausländerin, die nur etwas Ungarisch kann, von Busfahrern und dem Personal am Busbahnhof behandelt werde.
So kam es schon vor, dass mich Busfahrer nicht mitnehmen wollten oder zu mir meinten, dass der Bus in dem Ort nicht halten würde, weil ich den Ortsnamen auf ungarisch gesagt habe. Erst als ich es dann noch mal auf ukrainisch versuchte, wollten sie mich mitnehmen.
Es gibt zwar auch viele Menschen, die einem gerne weiter helfen, aber diese Menschen sind eindeutig in der Unterzahl. Der Großteil der Menschen, mit denen ich bis lang zu tun hatte, war zu Anfang mir gegenüber sehr verschlossen.
Auch jetzt, da ich schon viel besser ungarisch kann, merke ich hier im Ort immer wieder, dass sich einige Menschen fragen, was ich hier als jemand, der weder ihre Kultur noch ihre Sprache kennt, eigentlich will.
Das sind Momente, in denen es mir nicht so gut geht, aber da die Kinder mir immer wieder sagen, dass die meiner Arbeit sehr zufrieden sind und ich immer mehr zu großen Schwester für sie werde, sind diese schlechten Momente schnell vergessen.
Die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spaß. Zwar werden die Kinder zum Teil recht schnell aggressiv, wodurch der Umgang mit ihnen nicht immer einfach ist, aber dennoch habe ich sie inzwischen alle in mein Herz geschlossen.
Es ist sehr schwer, mit den Kindern Mal- und Bastelprojekte durchzuführen, denn die Kinder sind alle sehr uneigenständig. Bei den kleinsten Handgriffen brauchen selbst die älteren Kinder noch Hilfe und die Kreativität der Kinder wird kaum gefördert.
Der andere Freiwillige, mit dem ich hier in der Einsatzstelle arbeite, und ich versuchen zwar die Kinder etwas in die Richtung zu fördern, aber viele der Projekte sind fehlgeschlagen, da sich die Kinder nicht wirklich darauf eingelassen haben, etwas einmal selbstständig zu versuchen.
Auch in der Schule wird nicht auf eigenständiges Lernen gesetzt, sondern der Unterricht basiert komplett auf Frontalunterricht. Die Hausaufgaben, die eigentlich sehr einfach sind und immer genau auf dem beruhen, was zuvor im Unterricht gemacht wurde, brauchen die meisten Kinder Hilfe.
Es ist hier auch üblich, dass die Erwachsenen für die Kinder die Hausaufgaben machen und danach den Kindern erklären, wie sie es hätten machen sollen. So lernen die Kinder kein eigenständiges Lernen.
Da wir zwei Freiwilligen aber darauf setzten, die Kinder beim Hausaufgaben machen nur zu unterstützen und sie Schritt für Schritt mit ihnen durch zugehen, haben wir in dem Bereich schon ein paar kleine Fortschritte bei den Kinder erzielen können.
Aber es ist ein langer Weg und wenn die Förderung in diese Richtung nach diesem Jahr hier nicht weiter geht, wird es bei den Kinder aller Wahrscheinlichkeit nach langfristig keine Fortschritte im Bereich Selbstständigkeit geben.
Ich habe auch damit begonnen, ein paar der älteren Kinder etwas Englischunterricht zu geben, denn in der Schule wird nur Deutsch unterrichtet. Aber auch der Deutschunterricht ist sehr ineffektiv, da die Kinder keine Vokabeln lernen müssen. Sie lesen Texte, ohne deren Bedeutung zu verstehen und die Hausaufgaben bestehen zumeist darin, Texte aus dem Buch abzuschreiben. So haben die meisten Kinder neun Jahre Deutsch in der Schule, können sich aber danach nicht auf deutsch mit jemandem unterhalten.
Deshalb wurde ich jetzt auch von den Eltern gebeten, einigen Kindern auch Deutschunterricht zu geben. Das wird mein nächstes Projekt werden.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es hier in meiner Einsatzstelle noch viel zu tun gibt, aber da diese nötigen Veränderungen nur sehr langsam zu erzielen sind, wird es noch lange dauern bis es zu sichtbaren Ergebnissen kommt.
Ich hoffe sehr, dass es hier weitere Freiwillige geben wird, die sich ebenso wie der andere Freiwillige und ich darum bemühen, die Kinder entsprechend zu fördern. Ich würde es den Kindern sehr wünschen, damit sie später gute Chancen auf einen Beruf haben und auch eine Chance besteht aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen.

Kulinarisches – oder auch was man hier so essen muss

In diesem Artikel möchte ich ein wenig über die ungarisch-ukrainische Küche berichten. Bei einigen Sachen, kann ich nicht sagen, aus welcher Tradition sie stammen oder ob es einfach Kreationen der Köchin sind. Jedenfalls unterscheidet sich das Essen hier doch sehr von der guten deutschen Hausmannskost. Auch die Mahlzeiten sind ganz anderes strukturiert.
Hier ist es üblich, dass man 3 mal am Tag warm ist. Zum Frühstück, das immer nach dem Kirchgang stattfindet, gibt es schon die erste warme Mahlzeit.
Das Mittagessen, natürlich pünktlich um 12 Uhr, ist die zweite warme Mahlzeit. Sie besteht immer aus einer Nudelsuppe und einem Hauptgang, der oft auch Nudeln beinhaltet. Also Kombinationen wie Nudelsuppe und als Hauptgang Spaghetti sind durchaus üblich.
Die Kinder haben um 12 Uhr extra eine verlängerte Mittagspause, damit sie zu Hause oder in der Mensa Mittagessen können. Selbst die kleinen Erst- und Zweitklässler essen oft schon in der Mensa.
Nach dem Mittagessen wird immer noch ein Espresso getrunken. Das ist dann das ukrainische Kaffeetrinken am Nachmittag. Nur halt schon um halb zwei.
Unter dem Kaffee, den man hier so bekommt, darf man sich aber keinen richtigen italienischen Espresso vorstellen.
Dieser Kávé hat die gleiche Größe wie ein Espresso wird aber aus normalen Kaffeebohnen gemacht. Man nimmt jedoch die dreifache Menge an Kaffeepulver. In den Kávé kann man dann noch Zucker und Kaffeeweißer tun. Wer keinen Zucker nimmt -wie ich -, der wird sehr komisch angeguckt.
Zu dem Kávé wird immer noch ein Stück Kuchen oder eine Praline gereicht.
Das Abendbrot findet extrem früh statt, denn es ist meistens schon zwischen 17 und 18 Uhr. Aber wenn man um 12 – oder auch am Wochenende gerne früher – Mittag ist, dann hat man in den frühen Abendstunden auch schon wieder Hunger.
Brot wird eigentlich nur als Beilage zum warmen Essen gereicht. Das man bei einer Mahlzeit nur Brot ist, kommt wirklich nur in Ausnahmefällen vor. Dieses Brot ist weiß und erinnert vom aussehen an italienisches Weißbrot. Es ist aber sehr weich und hat außer dem Aussehen, nicht viel mit dem italienischem Brot gemein. Es gibt auch Vollkornweißbrot, aber das schmeckt irgendwie nach nichts.
Roggen-, Gersten- oder Dinkelbrot hab ich hier noch nicht gesehen, genauso wenig wie Schwarzbrot.

Am Ende dieses Artikels möchte ich noch ein paar Gerichte nenne, die ich hier sehr, sehr oft esse und die sehr typisch für die Region hier sind:

1) Törted Kápusta (Kohlrollen)
Man koche Reis. Vermenge diesen mit ein bisschen Mett, Zwiebeln und Paprika und rolle diese Masse portionsweise in ein Kohlblätter ein.
Das ganze dann kochen.

Dieses Essen muss ich 1 mal die Woche essen. Es ist bestimmt sehr lecker, wenn man Kohl mag ;) Aber wenn man sie nicht ganz so lange kochen lässt, verfällt der Kohl nicht und man kann die Füllung gut ausrollen ;)
Die wiederum ist ganz lecker.

2) Borsts (Borschtsch)
Borsts kennt man unter einer rote Bete Suppe. Hier wird sie aber ganz anders gemacht.
Es ist eine Tomatensuppe, in die Kohl, Bohnen und Fleisch gegeben wird. Ich glaube nicht, dass es hier in Transkarpatien üblich ist, sie mit rote Bete zu machen, denn ich habe noch keine von dieser Art gesehen.

3) Lepcsö
Dies ist eine Tomatensuppe in die nur rote und gelbe Paprika gegeben wird. Das ganze wird natürlich noch gewürzt, aber ansonsten ist das auch schon alles.

Für mich, die weder Tomaten noch Paprika mag, hat damit das Grauen einen Namen bekommen.

4)Krumpitésta (Kartoffelnudel)
Dies sind Nudeln, die mit Kartoffelbrei und evlt. ein bisschen Zwiebel gefüllt werden. Man kann dies mit allen hohlen Nudeln oder Teigtaschen machen. Besonders bevorzugt werden aber Torelini und Penne.

Ich glaube ich hab ein neues Lieblingsessen ;) Ohhhhmmmmmmmnommmmmnommmm!!!

Lustige Momente

Auf dem Gelände meiner Organisation in der Ukraine (KRÖDE) gibt es eine kleine Radiostation. Der Leiter, den wir bei einem Tanzabend während des Seminars kennen gelernt haben, hat uns vorgeschlagen, dass er Tonbandaufnahmen davon macht, wie wir in der 1. Woche und nach 3 oder 4 Monaten ungarisch reden. So können wir dann ein Gefühl dafür bekommen, wie gut wir geworden sind. Wir fanden alle, dass das eine voll coole Idee war.
Bei meiner Aufnahme hab ich erst mal ins falsche Mikrofon gesprochen und wenn ich ihn richtig verstanden haben, war ich während eines Liedes im Radio zu hören.

Der andere Freiwillige geht jeden Tag zur Messe. Er meinte mal zu mir, dass in den Messen unter der Woche außer ihm nur alte Frauen wären. Diese Frauen wären aber weniger wegen ihrer Gottesfurcht da, sondern weil sie vorher und nachher Lackbilder mit Heiligen darauf tauschen.
Alle Frauen kämen also mit dicken Ordnern unterm Arm und handeln dann mit den Bilder.
Es soll an Grundschulzeiten erinnern, als man in den Pausen Diddlebilder getauscht hat.

Ich musste mal wieder nach Beregszász fahren. In Csop stand ich auf dem Busbahnhof und hab auf den Bus nach Beregszász gewartet. Als er dann endlich ankam, wollten ganz viel ältere Frauen sofort einsteigen. Der Busfahrer musste aber erst noch den Bus sauber machen.
Die alten Frauen wurden total sauer auf den Busfahrer und haben ihn die ganzen Zeit angemeckert.
Der hat sich beim Saubermachen noch mehr Zeit gelassen, weil er das Verhalten unmöglich fand. Daraufhin waren die Frauen kurz vom Ausrasten.
Als er dann endlich die Tür aufgemacht hat, haben die Frauen geschubst und gedrängelt, weil jede zuerst einsteigen wollte. Die haben sich sogar mit Ellenbogen und Taschen verteidigt.
Da der Bus in Csop losfährt und nur 20 Läute einsteigen wollten, sodass jeder locker einen Sitzplatz bekam, war das Gedränge und Geschubse total überflüssig.
Der Busfahrer und ich hatten auf jeden Fall unseren Spaß und mussten herzhaft über das Bild der alten Frauen lachen – sie waren wohl alle weit über 70 – , die sich geprügelt haben, wie kleine Kinder, wenn es irgendwo Süßigkeiten zu ergattern gibt :)

Meine Arbeit

Meine Arbeitszeiten hier sind wirklich sehr human. Ich hab morgens immer frei, da die Kinder in der Schule sind. Somit kann ich jeden Tag ausschlafen. Wenn ich aufgestanden bin, wird erst einmal in aller Ruhe gefrühstückt, bevor es ans Vokabelnlernen, Lesen oder Haushaltschmeißen geht.
So zwischen 12 und 1 Uhr beginnt mein Arbeitstag, je nach dem, wann die Kinder mit Essen fertig sind.
Ich spiele meistens draußen mit ihenen im riesengroßen Graten mit eigenem Spielplatz.
Ansonsten helfe ich ihnen noch bei den Hausaufgaben – derzeit aber nur in deutsch und in englisch und den älteren auch mal in Mathe.
Sobald ich besser ungarisch kann, wird sich daran aber einiges ändern, denn ich soll den Kindern etwas Zusatzunterricht in deutsch geben.
Den Deutschunterricht in der Schule hab ich mir auch mal angesehen und ich muss sagen, dass es nicht sehr gut ist.
Die Kinder müssen selbst geschriebene, nicht korrigierte Texte auswendig lernen und Vokabeln lernen sie auch nicht.
Mein Tag hier endet so gegen 7 Uhr, da dann die Kinder Abendessen und danach auch bald ins Bett gehen.
An den Wochenenden ist meine Arbeitszeit natürlich sehr viel länger. Da sind es dann meistens 9 – 11 Stunden, die ich arbeite.
Donnerstags habe ich immer Sprachkurs mit den anderen Freiwilligen in Beregszász. Da es knapp 100 km bis dahin sind und die Busse ganz komisch fahren, habe ich donnerstags und freitags frei.
Die Busfahrt dauert zwar 2,5 Stunden kostet aber umgerechnet nur 1,70€. Netter Weise übernimmt das die Organisation.
In Beregszász übernachte ich immer bei der Freiwilligen aus den USA, denn der letzte Bus fährt um 17 Uhr. dann ist der Sprachkurs aber noch nicht zu Ende. Abfahrt am nächsten Tag ist erst um 13 Uhr. Ich hab also viel, viel Zeit alles mögliche einzukaufen, zu lesen oder irgendetwas anderes zu tun.

Meine Unterkunft

Ich weiß, ich hab lange nichts mehr geschrieben. Das wird jetzt nachgeholt:
Ich musste in eine andere Familie, da es in der anderen irgendwelche familiären Probleme gab. Genaueres weiß ich auch nicht.
Jetzt bin ich dafür in eine andere Einrichtung gekommen, die ebenfalls Waisenkindern ein zu Hause gibt. Es ist ein großes Grundstück – ca. 1 Hektar – auf dem 4 Häuser stehen. In dreien wohnen Familie, die Waisen aufgenommen haben, das vierte ist ein Gästehaus, in dem ich mit einem anderen Freiwilligen wohne, der aus Ungarn kommt.
In dem Haus habe ich ein eigenes kleines Zimmer mit Bad. Es sieht mehr nach Hotelzimmer aus als nach einem Zimmer, in dem man für lange Zeit wohnt, aber das ist schon ok.
Leider müffelt es im Bad und ich hab keine Erklärung für den Gestank.
Es gibt nur in einer kleinen Rumpelkammer Internet via LAN-Kabel. Zuerst hatte ich kein Internet, weil ich das LAN-Kabel hier drin nicht gefunden habe. :)
Mit dem Freiwilligen muss ich mir die Küche teilen. Die ist sehr groß und alles hat EU-Standard.
Im allgemeinen kann man das von der ganzen Einrichtung sagen, es sei denn im ganzen Ort gibt es einen Strom- und Wasserausfall. Das hatten wir letzte Woche für einen halben Tag. Es war ungewohnt: keine Dusche, aufs Plumsklo gehen, keinen Kaffee und auch sonst kein warmes Essen.
Vor dem Gästehaus ist ein großer Spielplatz für die Kinder.
Dort bin ich die meiste Zeit und spiele mit ihnen.

Sprachkurs (22. – 30. August)

Nach unseren tollen drei Tagen Seminar, hatten wir einen sehr intensiven Sprachkurs.
Die zwei von uns, die ukrainisch lernen müssen, hatten den Sprachkurs in Uzhhorod, der Rest von uns blieb in Beregszász.
Am zweiten Tag des Sprachkurses kam noch eine weitere Freiwillige aus den USA zu uns. Sie konnte nicht früher kommen, da ihr Flug nach Budapest ausfiel.
Irgendwie tut sie mir ein bisschen Leid, so als einzige nicht deutsche in der großen Gruppe. Wir haben uns zwar bemüht so viel wie möglich englisch zu reden und sie auch mit zu integrieren, aber ich glaube so richtig gut hats nicht geklappt. Zudem ist sie auch fünf bis sechs Jahre älter als wir. Ich stell mir das für sie sehr schwer vor.
Der Sprachkurs war ziemlich hart. Jeden Tag hatten wir fünf Stunden lang Unterricht und danach mussten wir noch Hausaufgaben machen und an die 80 Vokabeln lernen, manchmal sogar mehr.
Ich glaube keiner von uns hat das auch nur ansatzweise hinbekommen. Dafür hätte der Tag 30 Stunden haben müssen.
Ab Samstag Nachmittag hatten wir 36 Stunden frei :)
In der Zeit haben wir eine kleine Wanderung zu einem Denkmal gemacht und sind nach Mukacse gefahren. Dort haben uns die Innenstadt und das Schloss angesehen.
Im Schlosspark gibt es einen Brunnen. Der Legende nach bleibt man ewig schön, wenn man davon trinkt oder sich mit dem Wasser wäscht. Mal sehen, wer in 50 Jahren noch mit mir mithalten kann. ;)
Die Stadt Mukacse sieht schon echt lustig aus. Viele Häuser sind in knallige Farben gestrichen: das Rathaus in türkis, die Kirche hat ein knall grünes Dach … Auch Neonfarben sind sehr beliebt. Das schlimmste war das Haus neben dem Schloss: quietsche pink mit magentafarbenen Dachziegeln. Ich hab es “Das Haus des Schreckens” getauft.
Am Schluss saßen wir noch in einem Café. Die Geschichte des Cafés wurde uns als Flyer ausgeteilt. Es gab auch eine deutsche Übersetzung. Die war aber so grausig, dass sie sich nur wenige durchgelesen haben.
Ich kann mir jetzt so richtig vorstellen, wie schlimm es sein muss, englisch oder französisch zu unterrichten. Die ganzen Aufsätze zu korrigieren, wo eigentlich alles falsch ist und man trotzdem noch eine positive Bewertung geben soll.
Memo an mich selbst: Werde niemals Fremdsprachenlehrerin, sonst drehst du früher oder später durch!

Seminar (19. – 21. August)

In meinen ersten 3 vollen Tagen hatte ich ein kleines Seminar mit allen anderen Freiwilligen aus Deutschland.
Das war alles in allem ziemlich locker.
Es ging fast jeden Tag (außer Samstag) erst einmal in die Kirche. Das ist total langweilig, wenn man kein Wort versteht. Ich wäre jedes Mal fast eingepennt.
Zudem ist die Kirche kaum geschmückt, so konnte man sich auch nicht mal ablenken :s
Alle pädagogischen Programmpunkte des Seminars waren Spiele. Wir hatten unseren Spaß, aber wir sind auch alle keine Kinder von Traurigkeit. Bei uns gibts immer was zu lachen :)
Da unsere Tutorin ins Krankenhaus musste, sind wir am Samstag nach Uzhhorod gefahren und haben sie dort besucht.
Das Krankenhaus war die reinste Katastrophe. Die Einrichtung war herunter gekommen, die Zimmer hatten keine Waschräume und z.T. nicht mal Licht und beim Treppesteigen musste man aufpassen, dass man sich nicht die Haxen brach. Uns wurde erzählt, dass die Geräte, mit denen man behandelt wird, nicht immer steril sind. Ich hoffe, ich werde nie krank.
Am Sonntag haben wir uns Beregszász angesehen, die Stadt in der das Seminar war und auch die Organisation ihren Sitz hat.
Ich habe an dem Tag auch schon meine Chefin kennen gelernt, denn ein paar der Kinder haben bei einem Musical mitgespielt, dass an diesem Tag, dem ungarischen Nationaltag aufgeführt wurde.

Anreise

Am Mittwoch, den 17. August, um 22:27 fuhr der Zug vom Hannover Hbf ab. Alle Freiwilligen aus Deutschland, die in der Ukraine ihnen Dienst machen, sind zusammen gefahren. Das war ziemlich gut, denn so musste niemand die fast 24 Stunden Zugfahrt alleine verbringen.
Insgesamt sind es 8 Freiwillige aus Deutschland. Wir kannten uns schon  vor der Reise, denn wir hatten bereits ein 11 Tage langes Seminar in teils Weimar und teils in Stuttgart zusammen mit anderen Freiwilligen.
Unsere Zugfahrt startete in Hannover mit 5 Leuten und nach und nach stiegen auch die anderen zu, während sich der Zug langsam Wien näherte. In Wien mussten wir in den Zug nach Budapest umsteigen. Dort mussten ich mich zum ersten Mal auf Ungarisch verständigen, denn der Schaffner wollte unsere Fahrkarten sehen.
In Budapest würde es dann leicht chaotisch. Da der Zug hatte Verspätung, mussten wir einen anderen Zug nehmen.
Auf dem Bahnhof in Budapest ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie anders hier alles ist. Als wir aus dem Zug ausgestiegen sind, kamen gleich Leute auf uns zu, die uns gegen Geld das Gepäck zum nächsten Zug transportieren wollten oder uns gefragt haben, ob sie uns zu einem Hotel bringen sollten. So etwas habe ich in der aufdringlichen Form in Deutschland noch nicht erlebt.
Der letzte Zug, der eigentlich bis Nyiregyhaza gehen sollte, einer Stadt etwa 50 km von der ukrainischen Grenze entfernt, ist mitten auf der Strecke kaputt gegangen und wir mussten mit Schienenersatzverkehr weiterfahren. Es war sehr schwer erst einmal zu verstehen, was eigentlich los war, denn die Lautsprecherdurchsage hat keiner verstanden, denn so fachspezifisches Englisch konnte keiner von uns.
In dem keinen Dorf, wo der Zug dann hielt, habe ich richtig den Unterschied zwischen Großstadt und Dorf spüren können. Die Häuser waren heruntergekommen und die Gegend wirkte verarmt. Es hat auch nach Müll und Fäkalien gestunken. Ich habe zugesehen so schnell wie möglich in den Bus zu kommen. Es tat mir richtig in der Seele weh, zu wissen, dass an diesem Ort Menschen leben.
Die Städte hingegen – also dass, was man von ihnen vom Zug aus so sehen und beurteilen kann – sind sehr westlich geprägt und es könnten ebenso Städte in Deutschland sein.
Der Bus, mit dem es weiter ging, war eine ziemliche Klapperkiste und total langsam – ich tippe mal so auf ein Modell aus den 70ern oder 80ern.
Eine Stunde zu Spät ging es von Nyiregyhaza aus mit dem Auto weiter, denn die Grenze mit dem Zug zu überqueren dauert lange. Außerdem können die meisten von uns weder russisch noch ukrainisch, sodass wir uns mit der Grenzpolizei kaum hätten verständigen können.
Dort an der Grenze ging alles sehr schnell. Wir haben zum Glück nur eine Stunde gebraucht. Auf der anderen Seite der Grenze hat es sicher doppelt so lange gedauert, bis man drüben war.
An der Grenze war ich sehr an die UdSSR erinnert, denn die Polizisten dort, liefen wirklich so rum, wie man es aus dem Geschichtsunterricht kennt. Sie trugen diese Uniform und hatten alle die typischen grünen Schirmmützen auf. Das war schon ganz witzig. :)
Zum Glück liegt Beregszász, die Stadt in der unser Seminar ist, nicht weit von der ungarischen Grenze entfernt – es sind, glaub ich, keine 20 km – denn wir waren alle nach der langen Reise sehr, sehr müde. Zudem wurden wir in der Ukraine mit super tollem Wetter empfangen. Es waren trotz später Stunde (18:00) noch 30° C und keine einzige Wolke am Himmel.
Alles in allem, war es ein sehr lustige Reise, denn wir waren ja alle zusammen und haben uns die Zeit mit Filme gucken (Pinguine von Madagaskar und Ick bin ein Berliner) und Stadt, Land, Fluss spielen vertrieben.
Das Stadt, Land, Fluss-Spielen war am besten, denn dabei kamen sehr lustige Antworten bei Buchstaben U heraus:
Land: Utopia und zu Essen ist uns nichts eingefallen außer die Ursuppe ;)